← Alle Artikel
CNC · 6 Min. Lesezeit

Vibrationsanalyse an Werkzeugmaschinen: ISO-Grenzwerte einfach erklärt

2,8 mm/s — diese Zahl sollte jeder Fertigungsleiter kennen. Ab dieser Schwinggeschwindigkeit gilt der Zustand vieler Werkzeugmaschinen als kritisch. Doch der Grenzwert allein erzählt nur die halbe Geschichte.

Die Bewertungszonen im Überblick

Die Normenreihe ISO 10816 / ISO 20816 teilt den Maschinenzustand anhand der effektiven Schwinggeschwindigkeit (mm/s RMS) in vier Zonen ein:

  • Zone A (neuwertig): bis ca. 0,71 mm/s — Zustand einer frisch in Betrieb genommenen Maschine.
  • Zone B (dauerbetriebstauglich): bis ca. 1,8 mm/s — unbedenklich für den Langzeitbetrieb.
  • Zone C (eingeschränkt): bis ca. 4,5 mm/s — Betrieb nur noch zeitlich begrenzt vertretbar, Ursache klären und Instandhaltung planen.
  • Zone D (kritisch): darüber — Schäden an der Maschine sind zu erwarten, kurzfristiges Handeln erforderlich.

Wichtig: Die genauen Grenzen hängen von Maschinengröße, Fundament und Drehzahlbereich ab. Für präzise Werkzeugmaschinen gelten in der Praxis oft strengere Hausgrenzwerte, weil die Bearbeitungsqualität schon weit vor Zone D leidet.

Warum der Einzelmesswert trügt

Eine Maschine bei 1,5 mm/s kann gesünder sein als eine bei 0,9 mm/s — entscheidend ist der Verlauf. Ein Lagerschaden zeigt sich typisch als schleichender Anstieg über Tage bis Wochen, oft zuerst nur in bestimmten Frequenzbändern. Wer einmal im Quartal mit dem Handmessgerät misst, sieht diesen Trend nicht. Permanente Sensorik erfasst ihn automatisch und erkennt zusätzlich die charakteristischen Schadensfrequenzen (BPFO, BPFI, BSF), die verraten, welches Bauteil betroffen ist — nicht nur, dass etwas schwingt.

Praxis-Tipp: Messen Sie immer an denselben Punkten (Lagernähe, Spindelstock) und bei denselben Betriebsbedingungen (Drehzahl, ohne Zerspanung). Nur vergleichbare Messungen ergeben einen aussagekräftigen Trend.

Vom Grenzwert zum Frühwarnsystem

Statische Grenzwerte behandeln jede Maschine gleich. Moderne Systeme lernen stattdessen das individuelle Schwingungsprofil jeder Maschine im Normalzustand und alarmieren bei Abweichungen — auch wenn der absolute Wert noch in Zone B liegt. So entsteht aus einer Norm-Tabelle ein echtes Frühwarnsystem mit 48–96 Stunden Vorlauf vor dem Ausfall.

Fazit

Die ISO-Zonen sind der richtige Startpunkt: Über 2,8 mm/s sollten bei Werkzeugmaschinen die Alarmglocken läuten. Wer aber planbar statt reaktiv instand halten will, braucht den Trend — und der entsteht nur durch kontinuierliche Messung.

Vibrationsanalyse ISO 10816 Schwinggeschwindigkeit Werkzeugmaschinen Condition Monitoring
SF
Forbach & Partners · Gründer & Experte

UNGEPLANTE STILLSTÄNDE VERMEIDEN?

Wir überwachen Ihre CNC-Maschinen mit KI-gestützter Sensorik — und melden Schäden Tage vor dem Ausfall.

Kostenloses Erstgespräch →